Hasta la victoria siempre

11 Uhr: Düsseldorf. 1 Grad Minus. Uns steht zum ersten Mal ein 10 Stundenflug bevor. Und das ohne Rauchen! 17 Uhr: 6 Stunden hinter MEZ. Havanna. 32 Grad Plus. Ein Hammer trifft unsere Körper als wir das Flughafengebäude verlassen. Ooooh, mein Gott, wo ist die nächste kühle Bar…

Erste Eindrücke von Cuba bei der Fahrt zum Hotel "Vedado" lassen uns die Hitze so langsam vergessen. Sieht doch schon ein wenig so aus wie wir uns das vorgestellt haben. Alles ein wenig kaputt und zerfallen. Wir sind zehn Stunden geflogen, haben dabei aber einen Zeitsprung in die 50er Jahre vollzogen. Einfach unglaublich hier. Beim Anblick der wunderbar alten Autos wird es einem richtig warm ums Herz. Wenn man das mit den langweiligen Kisten vergleicht, die bei uns die Straßen besudeln, sollte man doch jeden heutigen Kfz-Designer lynchen.

Unser Hotel liegt hervorragend. Zur Altstadt ein Fußmarsch von etwa 1ner Stunde, welchen wir nach 14 Tagen Training in rund 30 Minuten schaffen. Die meisten Touristen legen diese Strecke per Taxi oder per Coco-Cap (Mopedtaxi) zurück. Wahrscheinlich aus Angst durch die Seitenstraßen zu laufen. Man könnte ja überfallen werden oder aber: nee, das ist nix für meine verwöhnte Nase oder aber: nee alles viel zu dreckig. Uns ist das total egal. Wir wollen das Leben sehen.

Also quer durch. Attacke!!!! Die Straßen sind zum größten Teil mit Schlaglöchern übersät. Kinder spielen hier den ganzen Tag Baseball (Volkssport Nr. 1). Beim durchstreifen der kleinen Gassen kann man durch die geöffneten Türen in die Wohnungen schauen. Meistens sieht man nur einen Raum in dem sich die Küche, ein Fernseher, Tisch und ein/zwei Stühle befinden. In den Wohnungen leben zumeist zwei bis drei Generationen zusammen. Was es in unserer Gesellschaft ja so gut wie gar nicht mehr gibt. Man sieht wunderbare Hinterhöfe, Häuser in allen nur erdenklichen Farben. Die Häuser sind alle so aus der Zeit von 1910 bis 1955 mit schönen Fensterläden und Fassaden. Aus den Wohnungen klingt Musik und man sieht Menschen dazu tanzen. Man hat den Eindruck, dass es den Bewohnern trotz allem sehr gut geht.

Auf den Straßen stehen Oldtimer, an denen die Besitzer schrauben. Manche sehen so aus, als wenn sie gerade vom Band gelaufen sind, andere wiederum halten durch die Spachtelmasse, die Kiloweise auf ihnen lagert, zusammen. Größtenteils sind diese Oldtimer von Chevrolet oder Buick in den 50ern hergestellt worden. Es gibt allerdings auch relativ neue Fahrzeuge, die irgendwie den Weg auf diese Insel geschafft haben. Meistens sind das dann Lada oder irgendwelche russische Marken.

Ein Hit für jeden Elektriker sind hier die Stromleitungen. Elektriker haben die Stromversorgung wahrscheinlich während eines Wirbelsturmes verlegt: Die Kabel verlaufen kreuz und quer von Haus zu Haus und verschwinden dann in dem Gewirr eines Kabelknäuels an einem Strommast. Wenn das die Bundesprüfstelle Stromklau erblicken könnte. Die würden hier Amok laufen. Ich selber habe tierisch einen gewischt bekommen, als ich mir nach dem Gang von der Toilette die Hände waschen wollte. Ein Stromkabel hing lose von einem Händetrockner. Frage mich bis heute, wieso es in der Kneipe überhaupt einen elektrischen Händetrockner gab, so etwas hatte man doch sonst nirgends gesehen.

Falls einen der Hunger packt gibt es genügend kleine Imbisse oder Restaurants, in denen man schon für 3,50 bis 6 Peso eine vernünftige Portion zu Essen bekommt. Die Preise für die Getränke in den Bars und Kneipen sind sehr unterschiedlich. Wir haben für ein 0,3 Bier von 1 Peso bis 2,50 Peso bezahlt. Meistens allerdings 1,50 Peso. Für einen Cocktail bezahlt man meistens 3 Peso. Ein Euro ist ungefähr 1,07 Peso. Wenn man allerdings in der von Hemingway gern besuchten Bar "Floridita" einkehrt, verdoppelt sich der Preis für die Getränke zusehends. Aber für jemanden mehr bezahlen, der gar nicht mehr lebt, ist ja auch Dummfug. Wir haben jedenfalls nur mal kurz reingeschaut und sind ohne Getränk wieder raus. Wie gesagt, Hemingway war nicht da…. War wohl gerade Zigarren holen!!

Falls man sich in einer Bar niederlässt, wird man auch gleich von netten Musikern mit kubanischer Musik beschallt. Auch, wenn nur zwei Leute in einer Bar sitzen, fangen sie gleich an zu musizieren. Man wird anschließend höflich grinsend um sein Kleingeld gebeten, das man den Musikern natürlich auch gerne gibt. "Lass' doch 'ne Kuh kosten, wir haben ja keine!" Wer länger in den Bars sitzt, hat öfters dieses Vergnügen. Deshalb sollte man auch immer nur so wenig Trinkgeld wie möglich geben. Ist aber schließlich jedem selber überlassen.

Als Tourist sollte man nicht überrascht sein, wenn man überall als "Amigo" angesprochen wird. Auf Kuba findet man sehr schnell Freunde, die um etwas Geld oder eine selbstgedrehte Zigarette bitten. Wenn sie mitbekommen, dass man aus Deutschland kommt, fallen gleich Worte wie "Deutschland gut" und "Deutschland, alles klar".
Da es auf Kuba kein Zigarettenpapier gibt, ist Zigarettentabak für die Kubaner etwas sehr Besonderes. Als "Schwarzer Krauser" - Raucher hat man auch in etwa den Geschmack der Kubaner getroffen. Nach einer Woche war mein aus Deutschland eingeführter Tabak somit sehr schnell durchgebracht.

Ich testete mich dann durch die kubanischen Zigaretten, die im ersten Moment meine Lunge zum Stillstand brachten. Das Beste an denen war der leichte süßliche Zuckergeschmack. Wer meint, dass ich starken Tabak rauche, sollte einmal auf Kuba eine "Vegas" oder als Filterzigarette eine "Upmann" rauchen. Nachdem ich dann wieder in Deutschland den normalen "Schwarzen Krauser" inhalierte, musste ich mich allerdings erst einmal wieder an diesen "leichten" Tabak gewöhnen.

Auch Feuerzeuge sind eine absolute Rarität auf Kuba. Man darf eigentlich keine einführen. Ich würde beim nächsten Urlaub allerdings die Taschen und Koffer damit füllen. Am Besten noch solche, die eine Taschenlampe dabei haben. Als Elke mit einem Kellner so ein Feuerzeug tauschte, freute dieser sich wie ein kleines Kind. In dem Moment war er der "King vom Prenzlauer Berg".

An den Straßen sitzen Menschen, die eine - in Deutschland würde man sagen: Ich AG aufgemacht haben. Sie reparieren und befüllen Feuerzeuge. Es werden "neue" Feuersteine, Federn sowie Räder eingebaut. Eine Zigarette sollte man in deren Umgebung allerdings nicht rauchen, da es sehr schnell zu einer Verpuffung kommen kann.

Falls man einmal etwas auf Kultur machen möchte, bietet Havanna eine Reihe von Möglichkeiten. Der Eintrittspreis beträgt eigentlich immer 5 Peso. Egal, ob es das Museum der Revolution oder eine Kirche ist. Das Museum der Revolution lohnt sich auf alle Fälle. Hier kann man einen ganzen Vormittag verbringen.

In unserem Hotel lernten wir zwei Leute kennen, mit denen wir gemeinsam auf Tour gegangen sind. Dan aus Kanada und Max aus Berlin. Als wir mit Dan, unserem kanadischen Freund, eine Stadtführung mitmachten, wurde auf dem Platz gerade eine Bühne aufgebaut. Wir hatten den Platz fast für uns alleine. Bei Veranstaltungen sollen rund 1,5 Millionen Menschen hierauf passen.

Als wir so zum Wandbild von "Che" schritten, wurde die Anlage voll aufgedreht. Aus den Boxen kam "Hotel California" von den "Eagles"! An diese Situation werden wir uns bestimmt ein Leben lang erinnern, wenn wir diesen Song hören.

Beim 2ten Besuch dieses Platzes waren wir mit Max aus Berlin unterwegs. Wir wollten erst zum Platz der Revolution und anschließend zum Museum von "Jose Marti". Marti ist der Anführer der ersten Revolution. Leider aber auch ein "armes Schwein", da er beim ersten Angriff erschossen wurde. Daraufhin wurde er von den Kubanern zum Märtyrer erklärt und ihm zu Ehren ein Denkmal und Museum errichtet. Im Museum kann man mit einem Fahrstuhl bis zum obersten Stock fahren. Von hier oben, dem höchsten Punkt der Stadt, hat man eine sehr schöne Aussicht. Im Sternförmig angelegten Museum befindet sich auch der Punkt, von dem aus die Entfernungen zu anderen Städten der Welt gemessen werden.

Als wir das Gebäude wieder verließen und uns ein lauwarmes Bier die Kehle runter fließen ließen, kamen an uns einige Soldaten und Musiker vorbei. Nach dem Genuss dieses Bieres wollten wir eigentlich wieder los. Vor dem Gebäude hatte sich aber eine Ehrenformation aufgestellt. Musiker probten noch "Smoke on the Water" und "Highway Star" - äääh nee, sie stimmten also ihre Instrumente und Soldaten trainierten sich im Stechschritt. Wir voll mit dabei. Alles im Umkreis von nur einigen Metern Entfernung.

Nun wurde sich gesammelt. Schwarze Limousinen kamen vorgefahren. Eine Delegation aus Ghana sowie Staatsbedienstete aus Kuba waren zur Kranzniederlegung eingetroffen. Natürlich mit 'nem Mercedes, was auch sonst. Alle stellten sich auf und warteten auf die Stechschritter mit dem Kranz. Nationalhymnen wurde gespielt, ein einsamer Trompeter blies zur Attacke… kann aber auch etwas anderes bedeutet haben. Neben uns so 'n Hauptmann oder so, zum Greifen nah in Habacht- Stellung. Ansonsten nur noch zwei weitere Touristen anwesend.

In Deutschland wären wir standrechtlich erschossen worden, wenn wir an so einer Kranzliederlegung anwesend gewesen wären. Auch hätte es eine Absperrung vom Austragungsort im Umkreis von mindestens drei Kilometern gegeben. So etwas morgens um 10 Uhr in Havanna. War schon beeindruckend für uns Alle.

Falls jemand den Gedanken hat, in Havanna zu baden, kann dieses nur im Hotel-Pool geschehen. Obwohl Havanna direkt am Meer liegt, gibt es keine Möglichkeit, vernünftig ins Wasser zu gehen. Der nächste Strand ist rund 25 Kilometer von der Stadt entfernt. Wir waren also in der Karibik und haben nicht einmal im Meer geschwommen. Dafür haben wir einen wunderbaren Urlaub in einer traumhaften Stadt verbracht.

Alles in Allem können wir nur jedem empfehlen, einmal Urlaub in Havanna zu machen. Wir werden bestimmt nicht das letzte Mal hier gewesen sein.

Hasta la victoria siempre!!! Euer Olly

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