zurück
 

 

 

 

 

 

 

Meine Jugend im Museum

Von der Friedrichstraße in die Oranienburger Straße einbiegen, das Kunsthaus "Tacheles" passieren, vorbei an der dauerbewachten Synagoge, links in die Krausnickstraße abzweigen, liegt das Ramones Museum nur einen Steinwurf von der S-Bahn-Station Oranienburger Straße entfernt. (Ist der Begriff Steinwurf in einem Satz mit Synagoge politisch unkorrekt?) Der Besucher betritt das Café Mania, an dessen Tresen nicht allein Speisen und Getränke offeriert werden - auch gibt es hier für 3,50 Euro die Eintrittskarte (+ Ramones-Pin) für das lediglich durch eine Stellwand vom Café abgetrennte Museum.

Florian "Flo" Hayler, Ramones-Fan und stellvertretender Chefredakteur des Berliner Musikmagazins "Unclesally's", das bundesweit kostenlos in allen relevanten (Musik)Kneipen ausliegt, präsentiert in dem Museum seine riesige Privatsammlung. Mehr als 300 Exponate, die aus der aktiven Zeit der legendären US-Punker zwischen 1975 und 1996 stammen, laden zu einer Entdeckungsreise ein. So kommt eine Jeans von Johnny Ramone ebenso zur Ausstellung wie ausgelatschte Turnschuhe und handsignierte Sticks von Drummer Marky Ramone. Merchandising-Artikel, T-Shirts, signierte Konzertplakate, unveröffentlichte Fotos, Setlists, Vinyl-Schallplatten und Tickets von Konzerten aus aller Welt - die Zahl der Memorabilia ist erstaunlich. Selbst Reißzwecken in einer Packung, die mit einen Ramones-Schriftzug wirbt, lassen sich in den Vitrinen finden. Filmische Interviews und Konzertausschnitte geben in einem separaten Raum Auskunft über die Bandgeschichte.

Die Ramones haben sich 1974 in New Yorker gegründet und sind faktisch die Erfinder der Drei-Akkorde- und Zwei-Minuten-Songs. So weist das "It's Alive"-Album der Ramones bei 28 Songs eine Länge von insgesamt nicht einmal 55 Minuten auf. Ganz nebenbei wird auf diesem Album auch noch mal eben Neujahr gefeiert (Silvesterkonzert vom 31. Dezember 1977) ... Bevor in England überhaupt der Begriff Punk für eine neue Subkultur entstand, waren die Ramones 1974 der Prototyp einer Punkband.

Obwohl The Ramones niemals große Plattenumsätze erzielten, haben sie mit ihrem unverkennbaren Stil Musikergenerationen beeinflusst und wurden 2002 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

2005 eröffnete das Ramones Museum an seinem ersten Standort in Berlin-Kreuzberg. Im Souterrain untergebracht, erinnerten die Räumlichkeiten seinerzeit an eine Kellerkneipe. Das passte. Das war Kreuzberg. Das wirkte stimmig, trashig, punkig. Zugleich: Die Kombination mit dem Café am heutigen Standort, der im Oktober 2008 eröffnet wurde, ist weitaus kommunikativer, so dass das Museum die Ramones-, Punk- und Musikfans zum Austausch in aller Gemütlichkeit einlädt. So gesehen, ist das Konzept in Berlin-Mitte absolut eine Bereicherung der musealen Präsentation.

Manchmal mache ich mir allerdings Sorgen - nicht allein, dass die Musiker, mit deren Musik ich groß geworden bin, bereits gestorben sind (Joey, DeeDee und Johnny Ramone weilen nicht mehr unter uns), mit 45 Jahren kann ich die prägenden Stufen meiner Sozialisation bereits im Museum besichtigen. Obwohl, sehen wir es positiv: Die Generation vor meiner Generation kann das nicht - die muss immer noch die wandelnden Mumien der Rolling Stones auf der Bühne ertragen.

Das Ramones Museum ist äußerst zentral in der Krausnickstraße 23 in Berlin-Mitte zwischen den S-Bahn-Stationen Oranienburger Straße und Hackesche Höfe zu finden. Das Museum hat dienstags bis donnerstags von 8.30 bis 18 Uhr, freitags von 8.30 bis 20 Uhr, samstags von 10 bis 20 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Dem Musuem angeschlossen ist das Café Mania. Zur Homepage des Museums und Cafés geht es hier.

PS: Es gibt übrigens wunderbare T-Shirts vom Ramones Museum, auf denen das von Arturo Vega gestaltetet Original-Logo der Ramones mit dem Schiftzug "Ramones Museum Berlin" gedruckt ist. Kann übers Internet auf der Homepage des Museums bestellt werden. Oder besser noch: Berlin ist bekanntlich immer eine Reise wert.

 

zurück

 

 
RamonesMuseum aussen

Entree

Besucherin

Schuhe